Mehrsprachiges Lehren und Lernen - Wie weiter?
Insegnamento e apprendimento plurilingue – come proseguire?
Instruir ed emprender pluriling – co vai vinavant?
Enseignement et apprentissage plurilingue – comment continuer?
Multilingual learning and teaching – how to proceed?
Ein Kongress der Pädagogischen Hochschule Graubünden
Das Erlernen von mehreren Sprachen bildet in unserer globalisierten Welt eine unabdingbare Voraussetzung für die Mobilität und die Erschliessung anderer Kulturen. Mit dem früh einsetzenden Fremdsprachunterricht und dem Unterricht von mindestens zwei Fremdsprachen versucht die Schule diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Mehrsprachigkeitsdidaktik (MSD), die sich als Weiterentwicklung des kommunikativen Ansatzes versteht, bietet Ansätze zum umfassenden Sprachenlernen an. Im Kongress werden Grundlagen, Merkmale und Erprobungen der Mehrsprachigkeitsdidaktik (bzw. integrativen oder integrierten Sprachendidaktik) vorgestellt und diskutiert. Erörtert werden Fragen zur Wirksamkeit und Implementierung der Mehrsprachigkeitsdidaktik im Hinblick auf die optimale Erreichung der Bildungsziele.
Diese sprachfachübergreifende, umfassende – integrative oder integrierte – und sich noch im Aufbau befindenden Konzeption von (Fremd-)Sprachendidaktik beginnt sich allmählich zu etablieren. Die Lernenden beschäftigen sich nicht nur mit der Sprache, sondern erschliessen über die Sprache auch Sach- und Weltwissen. Die Mehrsprachigkeitsdidaktik öffnet neue Perspektiven, verursacht aber gleichzeitig vor allem bei den Lehrpersonen Verunsicherung und wirft Fragen auf:
- Welche Ansätze und Methoden der Mehrsprachigkeitsdidaktik haben sich besonders bewährt?
- Welche Kompetenzen der Lehrpersonen werden vorausgesetzt für eine effiziente Umsetzung dieser sprachdidaktischen Ansätze und Konzepte?
- Welche Rolle werden die klassischen zweisprachigen Schulen in diesem Prozess spielen?
- Kann die Fremdsprache, die unter diesen didaktischen Umständen gelernt wird, formellen Kriterien (und welchen?) genügen?
- Können all die neuen zielorientierten Erwartungen (Interkulturalität, persönliche Einstellungen, mehrsprachige Kompetenz) erfüllt werden, bzw. kann die postulierte didaktische Ökonomie, die – in Zusammenhang mit der MSD entstehende - zusätzlich benötigte Zeit und Einsatz ausgleichen?
- Welcher Raum soll der funktionalen und welcher der sprachreflexiven Dimension eingeräumt werden?
- Ist die Komplexität dieses didaktischen Ansatzes für ein Teil der Lehrpersonen nicht zu anspruchsvoll?
- Sind lernschwache Schülerinnen und Schüler nicht im vornherein durch diesen Ansatz benachteiligt?
- Wie kann die vertikale Kohärenz (Schnittstellen) gewährleistet werden?
- Wie können die sprachbezogenen Leistungen und Leistungsfortschritte der Lernenden gemessen und bewertet werden?
- Sind in den Schulen überhaupt genug Ressourcen für implizites Lernen vorhanden?
Der Kongress wird sich einerseits mit der theoretischen Ebene befassen und auf der anderen Seite soll in Form von Ateliers die Gelegenheit geboten werden, spezifische Aspekte, sowohl der Mehrsprachigkeitsdidaktik als auch des bilingualen Unterrichts, zu fokussieren und zu vertiefen. An den beiden Kongresstagen sollen die oben genannten Fragen mit den Ergebnissen aus empirischen Studien und Berichten zu konkreten Realisierungsformen verknüpft werden.
Die PHGR freut sich, diesen Anlass durchführen zu können und kann auf zahlreiche kompetente und bekannte ReferentInnen und AtelierleiterInnen zählen, die im aktuellen Diskurs über die Didaktik der Fremdsprache einen sehr wichtigen Beitrag leisten und geleistet haben. Die Mehrsprachigkeit gehört zum Leitbild der PHGR, der einzigen dreisprachigen pädagogischen Hochschule der Schweiz. Der Kanton Graubünden hat mit Zwei- und Mehrsprachigkeit langjährige Erfahrung. Im rätoromanischen Gebiet finden sich weltweit ein paar der ältesten so genannten Immersionsschulen. In diesem Bereich bietet der Kanton Graubünden ein ideales Forschungsfeld und kann auch für andere Kantone und Staaten als Modell zwei- und mehrsprachigem Unterrichts dienen. Die PHGR möchte dadurch und mit diesem Kongress einen Beitrag leisten, um das schulische Lernen von Fremdsprachen in Zukunft noch besser zu ermöglichen.

